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KLAAS H. (66) AUS POPPENBÜTTEL HANTIERTE MIT MUNITION
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Granate im Reihenhaus explodiert

Ehemaliger Marinetaucher hasste Kinder und liebte Waffen / Im Keller seiner Wohnung bastelte er an Geschoss herum / Dann passierte der Unfall, der ihn das Leben kostete

SASCHA BALASKO

Klaas H. galt bei seinen Nachbarn als Perfektionist - und als Kinderhasser. Dass der 66-Jährige ein Waffennarr war, wussten sie auch. Diese eigenartige Neigung kostete ihn das Leben. Als er im Keller seines Reihenhauses am Hellwisch (Poppenbüttel) an einer Granate hantierte, explodierte die Sprengladung. Klaas H. starb Minuten später (MOPO berichtete).

Das Waffenarsenal, das Polizei und Feuerwehr aus seinem Haus trugen, würde ausreichen, um einen Kleinkrieg zu führen. Gut 20 Pistolen und Gewehre sowie eine Harpune stellten die Beamten gestern sicher. Dazu kommen zentnerweise Munition verschiedener Kaliber. Für all das hatte H. eine Genehmigung - bis auf die Weltkriegsgranaten.

Am Sonntagabend bastelte der Rentner in seinem Keller an einer Flak-Granate. Er hatte vor, sie zu entschärfen. Sie sollte ein Ausstellungsstück für seine Vitrine werden. Als ehemaliger Minentaucher bei der Marine sowie Jäger und Sportschütze hatte sich H. die Fertigkeiten im Umgang mit Munition angeeignet. Er besaß fürs Basteln sogar eine Drehbank.

Doch diesmal ging etwas schief. Die Granate explodierte. Der 66-Jährige erlitt schwerste Verletzungen auf dem Rücken und der Brust. Es gelang ihm noch übers Handy, die 112 zu wählen. Doch seine Schmerzen waren so stark, dass H. keine Silbe hervorbrachte. Die Retter hörten nur sein Röcheln und konnten ihn schließlich orten.

Als Feuerwehrleute die Tür aufgebrochen hatten, fanden sie ihn bereits tot auf. H. hatte sich noch bis in die Küche heraufgeschleppt und sehr viel Blut verloren.

Beliebt war Klaas H. in der gemütlichen Poppenbütteler Reihenhaussiedlung nicht. "Der hat alle paar Jahre seine Nachbarn im Nebenhaus vergrault", berichtet ein Anwohner. "Jedes Mal wenn er meinte, es wäre zu laut , rief er die Polizei." Eine andere Nachbarin beschreibt ihn mit einem Wort: "Cholerisch."

Er sei penibel gewesen, heißt es. An seiner Haustür klebt ein Schild: "Vorsicht! Wachsamer Nachbar".

Eine Mutter erzählt, dass er ihre Kinder beschimpft habe. "Mit übelsten Worten. Er hasste sie regelrecht." Einmal habe er sogar gedroht, ihre Mutter und deren Hund zu erschießen.

Doch offenbar haben sich die meisten Nachbarn versucht zu arrangieren. "Obwohl ich Angst vor ihm hatte, habe ich seine Pakete vom Waffenversand angenommen und ihm zu Weihnachten kleine Geschenke gemacht", so die Mutter. Und Nachbar Peter Siefken (64) ergänzt: "Wir haben versucht, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen."

Trotz allen Ärgers - in der Siedlung herrscht vor allem Mitleid. Eine Nachbarin sagt: "Er ist als einsamer und frustrierter Mann gestorben."

Zitat:
"Er hat mal gedroht, meine Mutter zu erschießen"

Eine Nachbarin von Klaas H.

(MOPO vom 04.09.2007 / SEITE 8-9)

 
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